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Igel gefunden - was nun?

Igel sind geschützte Tiere und dürfen, wenn sie gesund und normalgewichtig sind, nicht aufgenommen werden. Im September oder gar erst im Oktober geborene Igel haben ohne menschliche Hilfe meist schlechte Chancen zu überleben. Daher ist eine Überwinterung im Haus unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Welche Igel brauchen Hilfe?

  • Verletzte Igel oder solche, die womöglich tagelang ohne Futter und Wasser in Lichtschächten, leeren Schwimmbecken o.ä. gefangen waren.
  • Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Sie sind oft apathisch, kühl, rollen sich kaum ein und sind oft mager.
  • verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb des Nestes aufhalten, geschlossene Augen und Ohren haben und evtl. unterkühlt sind.
  • Jungigel, die Anfang November deutlich weniger als 500g wiegen und am Fundort nicht zugefüttert werden können.
  • Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen.
  • Ausnahmen:
    Ausnahmen bilden aufgestörte Igel. Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, in Garten und Parks gearbeitet, Baumaßnahmen begonnen werden oder Hunde herumstöbern, können Nester zerstört sein. Dann sucht ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf.

Erste Hilfe-Checkliste

  • Pflegeprotokoll anlegen:
    Dies beinhaltet Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und die genaue Fundstelle. Ins Pflegeprotokoll wird auch weiterhin die Gewichtszunahme, Tierarztbesuche usw. eingetragen.
  • Geschlecht bestimmen:
    Das ist vor allem bei Alttieren in Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes Muttertier handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken streicheln bis er sich ausrollt, dann mit der flachen Hand langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird.
    Männchen: Hautiger Knopf (Penisöffnung) in der Mitte der hinteren Körperhälfte.
    Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After.
  • Igel auf Verletzungen untersuchen
  • Unterkühlte Igel wärmen!
    Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene Hand anfühlt. Eine Wärmflasche mit handwarmem Wasser befüllen, Handtuch drumwickeln, Igel auf die Wärmflasche legen, mit einem weiteren Handtuch zudecken und in einen passenden, hochwandigen Karton legen.
  • Außenparasiten entfernen!
    In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den Körperöffnungen (Ohren, Mund, After usw.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Den Igel nicht baden!
  • Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen!
    Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes. Dieser hilft Ihnen bei der Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem kann der Tierarzt mit den entsprechenden Präparaten auch sehr geschwächten Tieren helfen.
  • Igelgehege mit Schlafhaus einrichten:
    Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also ein eigenes Gehege mit ausreichend Platz und ein Schlafhäuschen.
  • Füttern:
    Katzen- oder Hundedosenfutter oder Hackfleisch (kurz anbraten, nie roh geben!) oder Rührei (ohne Gewürze, aber mit etwas Öl in der Pfanne garen). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch!) hinstellen. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!) lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.
  • Kot für Untersuchung sammeln:
    Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss über die Menge und Art des Befalls mit Innenparasiten und über bakterielle Infektionen.

Herbst

Auch im September werden noch Igeljunge geboren. Bis zum Wintereinbruch müssen diese Jungtiere 500-600g schwer sein, um den Winterschlaf antreten zu können. Diese spätgeborenen, kleinen Igel fallen im Oktober und November oft auf, weil sie manchmal auch tagsüber auf Futtersuche sind.

Ab Mitte Oktober wird die Futtersuche in der Regel schwieriger. Je kälter die Witterung, desto weniger Futtertiere finden sie.

Bei geschlossener Schneedecke oder gefrorenem Boden versiegen die Futterquellen vollständig. Deshalb sollte der Igel dann im Winterschlaf sein. Von November bis März halten Igel normalerweise Winterschlaf. Je nach Witterungsverlauf gibt es aber Abweichungen.

Wenn Sie im Herbst einen gesunden Jungigel antreffen, hat dieser das für den Winterschlaf erforderliche Gewicht von 500-600g noch nicht erreicht. Das Tier spürt das und ist deshalb bis weit in den Spätherbst hinein auch tagsüber auf Nahrungssuche anzutreffen. Haben Sie einen Jungigel getroffen, der einen gesunden Eindruck macht (sieht "wohlgenährt rundlich" aus), dann wiegen Sie ihn bitte:

  • Körpergewicht weniger als 300g:
    Muss in menschlicher Obhut überwintern.
  • Körpergewicht zwischen 300g und 500g:
    Hier reicht eine Zufütterung.
  • Körpergewicht mehr als 500g:
    Hier sind keine Maßnahmen zu ergreifen.

Wie sollten pflegebedürftige Igel gehalten werden?

Die Unterbringung sollte in einem Raum mit 18-20°C Raumtemperatur erfolgen. Es wird ein Schlafhaus benötigt, am Boden gut isoliert, mit reichlich zerknülltem Papier ausgelegt und mit einem Schlupfloch versehen. Das Gehege drumherum sollte 2m² betragen; die Seitenwände sollten ca. 50cm hoch, glatt und senkrecht aufgestellt sein, um Kletterunfälle zu vermeiden. Der Auslauf wird mit Papier ausgelegt. Die meisten Igel richten einen Kotplatz ein; mit reichlich Zeitung versehen, lässt er sich problemlos reinigen. Eine Katzentoilette mit Papier ist ebenfalls geeignet.

Womit werden Igel gefüttert?

  • Dosen- und Trockenfutter für Hunde oder Katzen
  • milder Schnittkäse
  • Quark
  • Eier, gekocht oder als Rührei
  • grätenfreier Fisch, roh oder gekocht
  • kleingeschnittenes, mageres Fleisch vom Pferd und Rind, roh oder gekocht bzw. vom Schwein, gekocht
  • gekochte Hühnerflügel (beugt Zahnsteinbildung vor)

Zusätzlich wird die Nahrung mit etwas Pflanzenöl angereichert, was einem Stachelausfall vorbeugt (bis zu 1/4 TL täglich). Beim wachsenden Tier sind täglich Mineral- und Vitamingaben erforderlich (beim Tierarzt erhältlich). Der Flüssigkeitsbedarf wird durch Wasser oder Tee gedeckt. Kuhmilch führt zu schweren Durchfällen!

Wann müssen Igel wieder ausgesetzt werden?

Nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf sollte zunächst versucht werden, den entstandenen Gewichtsverlust (etwa 25%) wieder auszugleichen. Je nach Lage und klimatischen Verhältnissen und den daraus folgenden Nahrungsangebot wird der Igel ab Ende April bis spätestens Mitte Mai wieder ausgesetzt. Das gilt auch für im Haus gehaltene Igel, die keine Winterruhe bekommen konnten. Nach Möglichkeit sollte noch einige Zeit im Freien zugefüttert werden.

Der Igel sollte nicht in der Nähe von Gefahrenquellen (Baustellen, Hauptstraßen, Swimmingpool, gedüngte Flächen) ausgesetzt werden, sondern dorthin wo sich Gestrüpp, Reisig und Laub befindet. Dort ist ausreichend Nahrung und Material zum Bau von Sommer- und Winterschlafplätzen vorhanden.

Wenn Sie Fragen haben oder es Unsicherheiten gibt, sind wir sehr gern für Sie da und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung.

Ihr Klinikteam der Tierklinik Nienburg